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Entstehung

Götzendorf im Spiegel der Geschichte

Lage

Die Ortschaft Götzendorf am oberen Teil des Eggerbaches gilt aufgrund ihrer Lage als eines der schönsten Dörfer in der Marktgemeinde Eggolsheim. Auf beiden Seiten umrahmt von den ausgedehnten Hochflächen der Langen Meile duckt sich der geschlossene Ort in den Talgrund. Sicherlich lohnenswert und interessant, einen Blick in die Geschichte dieses freundlichen Dorfes mit seiner schmucken Kapelle zu werfen.

Besiedlung

Leider finden wir gerade im Eggerbachtal zur Siedlungsgeschichte nur spärliche Quellen und Zeugnisse, so dass auch die Anfänge der Landgemeinde Götzendorf weitgehend im Dunkeln liegen.

Um 500 saßen die Thüringer in kleinen, politisch selbständigen Adelsherrschaften im Main-Regnitzwinkel am Laufe der Regnitz, im Aischgrund und in den Tälern der fränkischen Alb, zum Beispiel um Ebermannstadt und Heiligenstadt.

Vielleicht schon in den Jahrzehnten nach der Eroberung des Thüringerreiches 531 durch die Merowinger, sicher im 7. Jahrhundert, greift die freie fränkische, grundherrliche Kolonisation über die Regnitzlinie tief in den Jura hinein.

Die Siedlungen, die sie schafft, sind mit dem Namen des Gründers und dem Grundwort „-heim“, „-dorf“, „-hausen“ benannt.

Namen

Götzendorf im Spiegel der Geschichte

Ortsname

Obwohl in der wissenschaftlichen Literatur verschiedene Deutungsversuche über unsere Ortsnamen vorliegen, gibt es doch eine gemeinsame Übereinstimmung: Im Zuge der Besielung durch die Franken, die ursprünglich ihren Sitz am Oberrhein hatten, wurden die neu gegründeten Orte jeweils nach dem Sippenführer benannt.

Nachdem in einer Urkunde von 1228 unser „Geckendorf“ auftaucht, ist es nahe liegend, darin eine Ableitung von „Zum Dorf des Gezo“ zu sehen.

Flurnamen

Flurnamen sind Zeugnisse über die ursprüngliche Beschaffenheit eines Gebietes. Sie geben uns Aufschlüsse über die Urbarmachung des neu besiedelten Landes und spiegeln die Struktur und die wirtschaftliche Nutzung der Gemarkung wider.

Hinweise über die Rodungstätigkeit der Götzendorfer geben die Flurnamen „Reuth, Kreuthhölzer, Schafreuth“. In dieser sehr waldreichen Gegend galt es auch, die Hänge (Leiten) als Weideland zu gewinnen, worauf folgende Flurnamen hindeuten: „Schwarzleite, Rainleite, Mühlleite, Edersleite, Wirtsleite“.

In jedem Dorf trieben die Gemeindehirten alles Vieh zu jeder Jahreszeit auf die Weiden, die Stallfütterung war den Bauern weitgehend fremd und setzte sich erst an der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert durch. So erfüllten die umliegenden Wälder auch die Funktion als Viehweiden : „Lohrangen, Rother Bühl, Kohlstöcke, Eichert, Knock-Hügel, Mühlholz, Schneiderholz“.

Die sicherlich mühevollsten Arbeiten; die Gewinnung von Ackerland, haben sich über Jahrhunderte hinweg gezogen. Zunächst im bewaldeten, fruchtbaren Tal des Eggerbaches, später auf den steinigen Hochflächen des Jura, machten die Bauern mit dem Holzpflug das Land urbar: „Mühlfeld, Langacker, Brügelfeld, Trogfeld, Griesacker, Großer Acker, Schmiedmichelfeld, Eggerten“.

Manche Flurnamen, die im Zuge der ersten Landvermessungen im 19. Jahrhundert erstmals schriftlich fixiert und in „Amtsdeutsch“ übertragen wurden, sind heute nicht mehr gebräuchlich. Natürlich erfüllen auch manche Flurteile, zuletzt durch die Umstrukturierung im Rahmen der Gebietsreform, heute eine andere Funktion als ursprünglich.

Urkunden

Götzendorf im Spiegel der Geschichte

Älteste Urkunden

Nachdem sich „Getzendorf“ zu einer funktionierenden Dorfgemeinde entwickelt hatte, sollen hier drei der ältesten und gleichfalls interessantesten Urkunden aus dem 16. und 17. Jahrhundert inhaltlich vorgestellt werden.

Ein Streit zwischen der „Gemeind zu Getzendorf“ und dem Bauern Michael Nagengast entbrennt 1582 wegen eines Gartenzauns, den dieser dickköpfige Götzendorfer zu weit von seinem Anwesen weg auf Gemeindegrund setzte.

Auch die „geschworenen Steinesetzer“, welche die strittige Grenze überprüfen und neu vermarken, können besagten Götzendorfer nicht zu einem zurückrücken erweichen. Schließlich wendet sich die „Gemeind“ an den „Ambtmann zum Senftenberg“. Nachdem aber Michael Nagengast des „Amtsmanns Befehl bis uff diese Stund nicht nachkommen“, sucht man sein Recht bei der höchsten Instanz, nämlich beim „hochwürdigen Fürsten unseres gnädigen Herrn zu Bamberg“ mit der Begründung, der strittige Zaun stehe in der „Krumm“ (Krümmung) zu weit „uff die Gemeind“.

Nach einem Vertrag vom 5. Juli 1582, gesiegelt und unterschrieben vom fürstbischöflichen Kanzler, wir der Streit endgültig geschlichtet, der Zaun zurückgesetzt und der Dorffrieden wieder hergestellt.

In dieser Zeit kam der Schäferei in den Eggerbachdörfern eine große wirtschaftliche Bedeutung zu. Die Hinterbliebenen des verstorbenen Hofbauern (ein Pächter, der hier den größten Hof seines Grundherrn gegen eine Geldsumme bewirtschaftete) verweigern den Götzendorfern, mit ihren Schafen auf die zu diesem Hof gehörenden Grundstücke zu treiben.

In einer Urkunde vom 13. Dezember 1583 wird der Beschwerde „der Gemeind zu Getzendorf“ entsprochen und auf die althergebrachten Rechte verwiesen:
Alle in der Gemarkung brachliegenden Felder dürfen beweidet werden, auch die des verstorbenen Hofbauern Hans Mathesen. Ausgenommen vom Umtrieb bleiben die „jungen Schrött“ (junge Triebe im Stockholz), die „Wiesmathen“ und die „Artfelder“ (bewirtschaftete Felder).

Ein strittiges und vor allem für die Eggolsheimer Gemüter erregendes Thema beinhaltet eine Urkunde aus dem Jahre 1612: „Das Bier bräuen und schenken im Amt Eckoltsheimb betreffend.“ (Das frühere Amt Eggolsheim umfasste ungefähr den Landstrich, der innerhalb der Grenzorte Buckenhofen, Hirschaid, Hochstall, Oberngrub, Drosendorf und Rettern liegt.)

So ergeht an den Amtmann zum Senftenberg, der schon seit 1525 nach der Zerstörung der Burg Senftenberg seinen Amtssitz nach Eggolsheim verlegt hatte, die Beschwerde, dass der Götzendorfer Thomas Beck sich unterstanden habe, „neuerlich und in unbefugter Weis des Wirtschafttreibens“.

Diesen Frevel nimmt der Amtmann zum Anlaß, darauf hinzuweisen, dass nur „alte Erbschenk und Breustatten“ das Schankrecht hätten und „solche und dergleichen Neuerungen und unbefugtes Wirtschaftstreiben“ unverzüglich abzuschaffen seien. Mit Nachdruck wird darauf verwiesen, dass bei erneuten Verstößen der Fürstbischof „unterthenig“ zu verständigen sei. Der adelige Amtmann Onofried von Pollheim, welcher auch den Titel eines „Raths, Hofmarschalls“ und „Pfleger von Giech“ innehatte, droht als Strafen an: „das Getränk abpfänden, zu Gelt machen (d.h. das Bier zu verkaufen) und solches neben anderen Umbgelt (d.h. als Steuer) zu berechnen.“

Welche Strafe nun Thomas Beck traf, erfahren wir nicht. Möglicherweise kamen die Götzendorfer selbst einer Pfändung des verbotenen Gebräus zuvor! ursprünglich.